Menschen, die weder sprechen noch sich mit Gesten verständigen können, setzen im Johanneswerk auf Talker

Wenn der Computer die Worte findet

Esra Dursun arbeitet in der Betriebsstätte Werdohl und kommuniziert mihilfe ihres Talkers. Foto: Hanna Paßlick

Wenn Esra Dursun etwas sagen will, muss sie nicht lange überlegen. Ihr Zeigefinger wandert  ruckelnd, aber zielgerichtet über die Oberfläche ihres Tablets. Dessen Felder sind durch hohe Ränder voneinander getrennt, damit die junge Frau sich trotz ihrer Spastik nicht vertippt. Ihr Finger wählt zuerst ein Bild von einer Frau aus, und dann mehrere Symbole hintereinander, die auf den ersten Blick überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

Ein Hammer ist dabei, ein Dinosaurier und eine rote Ampel. Kurz überprüft sie die fertige Symbolfolge, dann tippt sie erneut, und der Computer sagt laut: „Lara kommt nicht, schade.“ Esra blickt zu Gruppenleiterin Ines Barthelmes hinüber, die den Faden direkt aufnimmt. „Finde ich auch echt schade, dass unsere Auszubildende heute nicht kommt.“ Und schon wandert der Zeigefinger wieder über das Tablet.

Mithilfe ihres Tablets kann sie frei kommunizieren

Die 32-Jährige ist eine von vielen Beschäftigten in der Betriebsstätte Werdohl, die auf unterstützte Kommunikation angewiesen ist. Sie kann sich nicht ausreichend mit Lauten verständigen, Gesten fallen ihr zunehmend schwer. Das hindert sie aber nicht daran, Gespräche zu führen. Unterstützt wird sie durch ihr Tablet, das als Sprachausgabegerät fungiert. Solche Hilfsgeräte, die auch Talker genannt werden, leisten unabhängig davon, wie komplex sie konstruiert sind, am Ende alle dasselbe: Sie helfen ihren Nutzern dabei, aktiv zu kommunizieren und teilzuhaben.

Esra Dursuns Talker verfügt über ein dynamisches Display und ist mit einem Programm ausgestattet, das ein riesiges Vokabular bereithält. Das ermöglicht es ihr, frei zwischen den einzelnen Ebenen und Themengebieten hin- und herzuwechseln. Dadurch kann die junge Frau Wünsche und Meinungen sehr differenziert äußern, Fragen stellen, sich austauschen und ihre Laune kundtun, wenn ihr danach ist.

Vokabular, das aus Symbolen besteht

Menschen mit Behinderung, die wie sie nicht klassisch lesen können, lernen häufig schon in der Schule ein Vokabular, das ausschließlich aus Symbolen besteht und auf einen Talker übertragen werden kann. Einige dieser Symbole sind selbsterklärend, andere lassen sich nicht direkt erschließen und müssen gelernt werden. Ein Herz und ein nach oben gereckter Daumen etwa stehen zusammen für das Wort „glücklich“.

Will Esra Dursun jedoch das Adverb „auch“ in einen Satz einbauen, muss sie dafür eine Kombination aus Dinosaurier und Menschengruppe antippen. Die einzelnen Symbole werden innerhalb des Vokabelschatzes mehrfach und für ganz verschiedene Wörter verwendet. Entscheidend ist am Ende immer ihre Kombination, aus der sich Wörter und Sätze bilden lassen.

Kommunikationshilfen werden an Bedürfnisse angepasst

Da jeder Mensch aber eine ganz eigene Art zu kommunizieren hat, gibt es auch ganz unterschiedliche Arten elektronischer Kommunikationshilfen. Menschen, die klassisch lesen gelernt haben, können Programme nutzen, die Buchstaben, Satzzeichen, Worte und Zahlen enthalten. Für Nutzer mit anderen Fähigkeiten und Voraussetzungen gibt es einfacher konstruierte Kommunikationshilfen, die manchmal über 12, manchmal auch nur über zwei Tasten verfügen.

Luca Wehrmeister etwa, der genau wie Esra in der Abteilung Montage Plus arbeitet, agiert mithilfe eines Talkers, der ein statisches Display hat. Jede seiner Tasten ist mit einem großen Symbol versehen. Drückt er sie, spielt der Talker einzelne Sätze und kurze Aussagen ab, die vorher extra für den jungen Mann aufgenommen wurden und die zu ihm passen.

„Diese Vielfalt an Talkern ist großartig, weil die Geräte an die Bedürfnisse unserer Leute angepasst werden und ihnen die Möglichkeit geben, selbstständig zu kommunizieren und zu agieren“, sagt Ines Barthelmes. Zugegeben, für die Betreuer könne es manchmal kompliziert werden, weil jeder Beschäftigte ein anderes Gerät mit anderen Eigenheiten mitbringe – das sei bei technischen Problemen manchmal eine echte Herausforderung. Insgesamt jedoch bereichere der Einsatz der Talker das Miteinander in der Betriebsstätte enorm, betont Barthelmes. Weil sie es ermöglichen, „auf Augenhöhe und unbeschwert miteinander zu sprechen.“

 

 

Schon gesehen?

Ihr Kontakt für Fragen zu Studjo

Christoph Pasch
Geschäftsleiter Behindertenhilfe Arbeit
Mail: studjo@johanneswerk.de
Tel.: 02351/95808-94

Beitrag teilen:

Privatsphäre Einstellungen

Diese Website verwendet Cookies, um die Kernfunktionalität zu ermöglichen, den Inhalt zu personalisieren und die Besuche auf der Website zu analysieren. Einige dieser Cookies sind unerlässlich, während andere uns helfen, Ihre Erfahrungen zu verbessern, indem sie uns einen Einblick in die Nutzung der Website geben. Weitere Informationen über die von uns verwendeten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Notwendige Cookies

Statistik-Cookies

Drittanbieter Cookies

Privatsphäre Einstellungen

Diese Website verwendet Cookies, um die Kernfunktionalität zu ermöglichen, den Inhalt zu personalisieren und die Besuche auf der Website zu analysieren. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.