Sturz-Vorbeugung aktiv angehen

Mutiger Schritt zu mehr Sicherheit

Ein Fuß, der unter einem Wohnzimmerteppich hängen bleibt

Stolperfalle Wohnzimmerteppich: Manche Gefahrenquellen im häuslichen Umfeld lassen sich schnell beseitigen. Fotos: Johanneswerk/ Mike-Dennis Müller

Gerade noch einmal Glück gehabt! Marianne D. lässt sich auf die Bettkante fallen und atmet tief durch. Beinahe hätte sie mit ihrem Bettvorleger eine Rutschpartie gemacht. Nicht auszudenken, wie das ausgegangen wäre. Am besten, sie schiebt ihn sofort zur Seite.

Einen Tag später, zu Besuch bei ihrer Freundin Johanne S. (80) im Altenheim, beichtet die 77-jährige Marianne D. den „Fehltritt“ und stößt damit ein ernstes Gespräch über Gefahren im häuslichen Umfeld und deren Folgen an. Eigentlich ist ihr das unangenehm, doch Freundin Johanne appelliert an ihre Tatkraft und wird ziemlich deutlich. „Weg mit dem rutschigen Ding! Und mit den anderen Teppichen auch. Du hast ohnehin zu viele von diesen Brücken rumliegen.“ Oberschenkelbruch, ausgekugeltes Schultergelenk, Gehirnerschütterung – drastische Bilder beschreibt Johanne. So genau wollte es Marianne nun auch nicht wissen. Aber auf dem Heimweg klingt manches in ihr nach – und lässt ihren Entschluss reifen: Sie wird das Thema jetzt angehen.

Initiative ergreifen

Eine Woche später nimmt die 77-Jährige ihren ganzen Mut zusammen und bittet ihre Tochter um Hilfe und einen Besuch. Der Schlafzimmer–Teppich soll weggeräumt werden, der sei nicht rutschfest.
Tochter Kerstin staunt nicht schlecht, als ihre Mutter anderntags sofort einen Rundgang durch die Wohnung ankündigt. „Wir machen jetzt Nägel mit Köpfen, gucken uns alles an und legen eine Liste an, was geändert werden muss.“  Und  nun ist noch eine Beichte angesagt: Marianne D. ist vor zwei Wochen mit ihrem Fahrrad gestürzt. Das nagt an ihr, wenn dabei auch nur die Hose kaputt gegangen ist.

Im Hause D. werden Möbel gerückt, Teppiche aufgerollt, Lampen versetzt oder mit neuen Leuchtmitteln bestückt. Schwiegersohn Martin hilft tatkräftig und packt dann einen mitgebrachten Karton aus. Ein kleines Gerät, so groß wie ein Handteller, batteriebetrieben und einfach anzubringen: ein Nachtlicht mit Bewegungsmelder. Gemeinsam überlegen Marianne und ihre Kinder, wo dieser kleine Helfer und vielleicht auch weitere am besten angebracht werden kann. Der nächtliche Weg ins Bad wird dann kein Blindflug mehr sein.

Kein Thema auslassen

Das Thema „Hausschuhe“ hat Tochter Kerstin mit ihrer Mutter schon vor einigen Tagen angesprochen. Die alten Pantoffeln, die Marianne schon seit Jahren daheim trägt, wurden direkt entsorgt und durch festere Exemplare ersetzt: „Darin hast Du besseren Halt“, meinte die Tochter und Marianne wiedersprach lieber nicht.

Nach Rücksprache mit ihrem Hausarzt plant Marianne D., sich im Sportverein einer Gymnastikgruppe anzuschließen und von ihren Kindern wünscht sie sich zum bevorstehenden Geburtstag einen Gutschein fürs Hallenbad. Da der Mediziner auch weiterhin das Radeln empfohlen hat, möchte sie sich ein neues Rad mit tiefem Einstieg anschaffen. Und zum Eingewöhnen die ersten Fahrten dann gern in Begleitung zurücklegen. Zur Überraschung der Tochter ist Enkel Paul bereits fest ‚gebucht‘. Er will bis dahin ein paar neue Fahrtrouten zu Omas bevorzugten Zielen ausarbeiten.

Und da der Beratungstermin mit dem Hausklempner ebenfalls abgesprochen ist, werden auch die Verbesserungen im Bad nicht auf die lange Bank geschoben. Neue, höhere Toilettenschüssel, Haltgriff in der Dusche und über der Badewanne – Marianne hat sich kürzlich in einer Bad-Ausstellung über mögliche Hilfen informiert.

Die Familie staunt und ist der einhelligen Meinung: „Das hört sich gar nicht unsicher an – im Gegenteil.“  

Spätabends, als Marianne D. zu Bett geht, ist sie sehr zufrieden mit dem Erreichten und ihren weiteren Plänen. Und der Teppich, der bislang vor dem Bett lag, fehlt ihr eigentlich auch nicht. Mit den Stoppersocken, die ihre Enkelin Clara zur Verfügung gestellt hat, bleiben die Füße wunderbar warm. Die auffälligen Motive in Neon-Pink sieht daheim ja keiner.

Stolperfallen und Fußangeln beseitigen

  • Fußmatte vor Eingangs- oder Wohnungstür mit rutschfesten Unterlagen versehen oder gegen ein flacheres Exemplar austauschen. Unter Umständen kann man auch Fußabtreter zum Einlassen in den Boden einbauen lassen.
  • Teppich-Schichten deutlich verringern und Übergänge am besten mit doppelseitigem Klebeband fixieren. Beratung gibt es in jedem Fachhandel.
  • Im Bad Fußmatten mit rutschfester Unterseite verwenden und in der Dusche sowie der Badewanne flache Kunststoff-Elemente mit Saugnäpfen oder eine rutschfeste Matten auf den Boden legen.
  • Austausch zu niedriger Toilettenschüsseln, Haltegriffe in WC und Bad anbringen. Der Installateur informiert über passende Hilfen.
  • Im Flur und den Wohnräumen für genug Bewegungsraum sorgen und enge Durchgänge zwischen den Möbelstücken aufweiten.
  • Leitungskabel für Lampen, TV- und andere Geräte entlang der Fußleisten oder Schränke verlegen und mit Klebeband o. Ä. fixieren.

Sicherheit ins Haus holen

  • Beleuchtung an der Haus- oder Wohnungstür verbessern oder mit Bewegungsmelder kombinieren. Das Elektrohandwerk hilft weiter und berät.
  • Häufig genutzte Wege in der Wohnungen (zur Küche, zum Bad beziehungsweise zur Toilette) gut ausleuchten.
  • Nachtlichter anbringen, Nachtischlampe mit Bewegungsmelder oder Berührungsautomatik statt Schaltknopf anschaffen.
  • Hausnotruf-Vertrag abschließen; über den Handsender kann der Nutzer selbsttätig Alarm auslösen und damit eine Hilfekette starten.

Mehr Informationen zum Hausnotruf

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