In Bochum entwickeln Menschen mit Behinderung ihre eigenen Wohnwünsche

Mein Bett, mein Bad, mein Gartenzwerg

Klaus – im Workshop duzen sich Bewohner und Mitarbeiterinnen nach Absprache – zeigt seine Vorstellung vom Wohnen.

Bewohner Christian und Diakonin Martina tauschen sich über die Wohnwünsche aus.

Gemeinsam mit den Mitarbeitenden überlegen die Bewohner, was an der jetzigen Situation stört oder fehlt. Fotos: Ulla Emig

Bochum (JW) „Ein Haustier halten“, „Mitten im Stadtzentrum wohnen“, „Mit der Freundin zusammenziehen“, „Ein größeres Badezimmer“: Diese  Wohn-Träume dürften jedem Erwachsenen vertraut sein. Doch längst nicht für jeden sind sie erfüllbar. Wohneinrichtungen für Menschen mit Behinderung etwa, seien sie noch so fortschrittlich, können nicht unbedingt jedem Selbstbestimmungswunsch gerecht werden. Viele Bewohner fühlen sich dort zwar pudelwohl, manch einer aber möchte mehr.

So auch einige Bewohner des Goerdthofes, der stationären Einrichtung im Johanneswerk Wohnverbund Bochum-Herne. Deshalb hat der Wohnverbund sie zu einem Workshop unter dem Motto „So will ich wohnen“ auf Basis der UN-Behindertenrechtskonvention eingeladen. Da es nicht für jeden Bewohner einfach ist, seine eigenen Bedürfnisse zu vermitteln, bringt Martina Schöler-Tillmanns, Diakonin im Johanneswerk, kreative Methoden mit. Zusammen mit Beichsleiterin im Wohnverbund Sarah Ignatowski und weiteren Assistentinnen sammelt sie zunächst gemeinsam mit den Teilnehmern Kritikpunkte an der jetzigen Wohnsituation.

„Ich möchte auch selber mal entscheiden, was es zu essen gibt, nicht immer nur auf den Plan gucken“, befindet Bewohner Klaus Drossler. „Mir fehlen Haustiere“, so Mitbewohner Reiner Wollenhaupt. Der 56-Jährige würde am liebsten einen Vogel halten, was aber aufgrund seiner Wohnheimsituation nicht geht. Der 35-jährige Christian Fuchs findet sein Bad eher viel zu klein, während Julia Verhoeven (28) am liebsten in einer Zweier-WG mit einer Gleichaltrigen leben würde. Björn Oertel hingegen ist Ruhe besonders wichtig. „Manchmal nerven die anderen schon.“ Gleichzeitig gibt auch viel Lob zur jetzigen Wohnsituation: Die meisten schätzen die Gemeinschaft und möchten auch in Zukunft nicht ohne eine Form der Betreuung leben.

Collagen machen Bedürfnisse sichtbar


Im nächsten Workshop-Schritt werden die Wohn-Träume jedes einzelnen schließlich sichtbar. Mit Schere und Klebestift bestückt, suchen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Beispiele aus einem umfangreichen Bilder-Katalog heraus. „Wo ist der Gartenzwerg?“, ruft Klaus, dem ein kleines Gärtchen besonders wichtig ist. Björn sucht sich gleich ein Doppelbett aus. „Ich möchte am liebsten mit meiner Freundin zusammenziehen.“ Ganz klar, dass Reiner eifrig an Tierbildern schnippelt und Christian ein schönes großes Badezimmer ausschneidet. Auf Kartons zu bunten Collagen aufgeklebt, kann so jeder Bewohner seine eigenen Wünsche für sich und andere gut sichtbar machen.

Das für den ein oder anderen der eigene  Wohntraum – zumindest in Teilen – zukünftig in Erfüllung geht, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Von den insgesamt 60 Goerdthof-Bewohnern leben schon 20 in Außenwohngruppen. Ein Neubau des Goerdthofs an einem anderen Standort ist in Planung, da der jetzige Bau in die Jahre gekommen ist und den aktuellen Standards nicht mehr entspricht. Beim Bezug des Neubaus werden die Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner natürlich berücksichtigt. Denn, so die UN-Vereinbarung: „Menschen mit Behinderungen können selber entscheiden, wo und mit wem sie wohnen“.

Spendenprojekt: „Ein Schlüssel für mich. Selbstbestimmt leben.“
Mit seinem neuen Spendenprojekt setzt sich das Johanneswerk dafür ein, Menschen mit Behinderung intensiv auf ihrem Weg zu mehr Selbstbestimmung zu begleiten. Eine unterfahrbare Küche zum Beispiel oder ein spezielles Betreuungsangebot können dabei einen großen Unterschied machen. Helfen Sie uns mit Ihrer Spende.
Spendenkonto: 
IBAN: DE09 4805 0161 0066 0126 00
BIC: SPBIDE3BXXX
Stichwort: „Schlüsselprojekt Bochum“

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