Diakonie für Bielefeld und JVA Bielefeld Brackwede schließen Vertrag

Eine landesweit einmalige Kooperation

Thomas Wendland, Marc Korbmacher und Melanie Mohme von der Diakonie für Bielefeld sowie Robert Dammann und Judith Schüler von der JVA Bielefeld Brackwede. Foto: Christian Weische

Bielefeld. Diese Vereinbarung ist nicht nur der Ausbau eines Erfolgskonzepts, sondern auch ein deutliches Signal nach Düsseldorf, ins Justizministerium. Denn die Fachleute der Diakonie für Bielefeld und der Justizvollzugsanstalt Bielefeld Brackwede sehen die Finanzierung der familienorientierten Sozialarbeit in Gefahr. „Dabei ist die Arbeit erfolgreich“, versichert Anstaltsleiter Robert  Dammann. „Die Rückfallquote der Inhaftierten, die bei Freiräume mitmachen, ist deutlich geringer“ erklärt Dammann. „Üblich sind 30 bis 40 Prozent. Von den 241 Inhaftierten, die teilnahmen, haben wir nur eine Handvoll wiedergesehen“.

Der von der JVA Bielefeld Brackwede (geschlossener Vollzug) und der  Diakonie für Bielefeld gGmbH (Jugend- und Straffälligenhilfe) am 3. Juni beschlossene und unterzeichnete Kooperationsvertrag ist landesweit einmalig.  Er basiert auf dem bereits bewährte Konzept zum „Familiensensiblen Strafvollzug – Elternverantwortung und Kinderrechte“ im geschlossenen Vollzug. Seit 2007 wird damit erfolgreich gearbeitet - auch in Form von Personal, das die JVA Brackwede und die Diakonie für Bielefeld unter dem Stichwort  „Freiräume – für Kinder und ihre inhaftierten Eltern und deren Familien“ einbringen.

Das Konzept beschreibt Standards, die verbindlich für alle Beteiligten festgeschrieben sind, um den Bedürfnissen der genannten Zielgruppe gerecht werden zu können. Besonders kennzeichnend ist, dass Freiräume in der Brückenfunktion tätig ist: Für inhaftierte Eltern und deren Kindern und deren Familien. Dies macht auch den Erfolg der Arbeit aus, was aktuell vom ISA Institut (Institut für soziale Arbeit, Fachinstitut für Forschung in der Kinder- und Jugendhilfe) eruiert wurde. Die Maßnahmen werden auf Grundlage der langjährigen Erfahrungen stetig einer Qualitätskontrolle unterzogen und weiterentwickelt.  Somit werden in der Vorreiterrolle für NRW unter anderem lizensierte Elterntrainings, Fortbildungen für Justizvollzugsbeamte und Organisationscoaching für weitere Justizvollzugsanstalten zum Thema `Familiensensibler Strafvollzug` angeboten.

Ziel der jetzt geschlossenen Kooperationsvereinbarung ist,

  • dass inhaftierte Eltern befähigt werden, während der Inhaftierung ihrer Erziehungsverantwortung nachzukommen und sich mit Erziehungsthemen unter den durch die Haft erschwerten Bedingungen auseinander zu setzen. Dies dient erfahrungsgemäß dem Auftrag der Resozialisierung für die Zeit nach der Haft, aber auch der Motivation der Inhaftierten und der Stabilisierung der Situation während der Inhaftierung.
  • Kindern soll die Möglichkeit gegeben werden, ihr Recht auf regelmäßige und angemessene Kontakte zu ihrem inhaftierten Elternteil wahrzunehmen.
  • Die beteiligten Fachkräfte sollen für die Bedürfnisse von inhaftierten Eltern, deren Kindern und ihren Angehörigen sensibilisiert und weitergebildet werden.

Beide Kooperationspartner haben sich unter anderem dazu verpflichtet personelle und räumliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen und das Generieren finanzieller Mittel im Rahmen der Möglichkeiten auszubauen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Melanie Mohme
Tel.: 0521 / 98892727
E-Mail: melanie.mohme@diakonie-fuer-bielefeld.de

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