Sabine Comes, 55 Jahre, Ambulant Betreutes Wohnen in Herne

Die Mutige

Sabine Comes ist 55 Jahre alt, lebt in Herne und wird ambulant vom Johanneswerk betreut. Foto: Mike-Dennis Müller

Sabine Comes ist 55 Jahre alt, lebt in Herne und wird ambulant vom Johanneswerk betreut. Foto: Mike-Dennis Müller

Wer Sabine Comes trifft, erlebt eine selbstbewusste und starke Frau. Eine, die klare Ansagen macht und weiß, was sie will. Dass das nicht immer so war, zeigt sich erst, als sie beginnt, aus ihrem Leben zu erzählen. In diesem Leben, in dem sie heute ambulant vom Johanneswerk betreut wird, gab es immer wieder Zeiten, in denen Sabine Comes weit über sich hinauswachsen musste.
 

Auf der Flucht vor der Polizei

„Ich wurde 1966 in Herne-Strünkede geboren. Allerdings lebte ich zu Anfang eine  Zeit lang in einer Kinderklinik. Mit drei Jahren habe ich meinen toten Vater in unserer Wohnung gefunden. Als ich etwas älter war, war meine Familie ständig auf der Flucht vor der Polizei. Neun Jahre lang waren wir in ganz Europa unterwegs. Manchmal gab es nicht genug zu essen und manchmal keinen richtigen Ort zum Schlafen. Als wir wieder in Deutschland waren, kam ich bei meiner Großmutter unter und konnte einen Schulabschluss machen. Ich habe heute eine abgeschlossene Ausbildung zur Hauswirtschafterin, auf die ich sehr stolz bin. Aber an die Erlebnisse meiner Kindheit denke ich jeden Tag.“ 
 

Depressionen im Kindesalter

Die Erfahrungen, die Sabine Comes als Kind gemacht hat, haben sie stark geprägt. Besonders schwer sei es gewesen, im Ausland andere Kinder zu treffen, aber immer wieder schnell zu verschwinden, weil sich die Familie verstecken musste. Freundschaften konnte sie so keine aufbauen. Wie sich später herausstellte, hatte sie schon als Kind eine Depression, die sie seither immer mal wieder begleitet. Heute ärgert sich Sabine Comes darüber, dass die Gesellschaft psychische Erkrankungen immer noch als persönliches Versagen ansehe. Das müsse sich ändern, das Thema dürfe kein Tabuthema mehr sein. Sie selbst sei um das Jahr 2000 herum besonders krank gewesen. 
 

"Ich bin selbstbewusster geworden"

„Das war eine richtig schwere Zeit. Ich konnte nicht raus gehen, hatte Angst vor fast allem, Mitmenschen und Autos. Mithilfe einer Klinik und einer Gruppe für psychisch Erkrankte habe ich es geschafft, mich da rauszuziehen. Aber ich musste vieles neu lernen und Vertrauen aufbauen. Das hat mich viel Kraft gekostet. Aber ich bin auch selbstbewusster geworden und entscheide jetzt selbst über mein Leben.“

Gelernt, dass es weitergeht

Als eines ihrer vier Kinder an frühem Kindstod stirbt, ist das schließlich die schlimmste Zeit ihres Lebens.  Aber in dieser schlimmen Zeit hat Sabine Comes auch etwas gewonnen. Freunde, die sie mögen, wie sie ist. Und sie lässt sich trotz vieler gesundheitlicher Probleme nicht unterkriegen. Über sich selbst sagt sie heute, sie sei ein Steh-auf-Männchen und habe gelernt, dass es immer irgendwie weitergeht Dabei hilft ihr, dass sie heute weiß, wer sie ist und was sie will. Während sie das erzählt, läuft ihr eine kleine Träne über die Wange. Weil sie es bis hierhin geschafft hat. Und weil sie den Mut aufgebracht hat, ihre Geschichte zu erzählen. 

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