Interview mit Edda Bekemeier zum Modellprojekt „Integrierte Tagespflege“

Bei Pflegbedarf: Neue Wege der Versorgung

Die Tagespflegegäste werden integriert in die stationären Wohngruppen, erhalten die notwendige Versorgung und können die geselli-gen Angebote nutzen. Foto: Pia Blümig

Edda Bekemeier leitet das Johannes-Haus, eine stationäre Alten-hilfe-Einrichtung des Ev. Johanneswerks in Herford.

Das von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW geförderte Modellprojekt „Pflege stationär weiterdenken“ dient der Suche nach neuen Wegen der Unterstützung hilfe- und pflegebedürftiger Menschen und ihrer Angehörigen. Im Rahmen des Projekts bietet das Johannes-Haus, Auf der Freiheit 13-15 im Zentrum Herfords, als eines von drei Alten- und Pflegeheimen in Nordrhein-Westfalen eine sogenannte „Integrierte Tagespflege“ an. Die Einrichtung des Ev. Johanneswerks ist seit 2008 auf das Hausgemeinschaften-Konzept ausgerichtet und hat in neun Wohnungen Platz für 88 ältere und pflegebedürftige Menschen. Hausleiterin Edda Bekemeier erklärt im Interview die neuen Ansätze.


Wer steckt hinter dem Modellprojekt?

Edda Bekemeier: Das Modellprojekt ist beim Alters-Institut, einer Tochtergesellschaft des Ev. Johanneswerks, angesiedelt. Als Träger sind das Johanneswerk, die von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel und die Arbeiterwohlfahrt OWL eingebunden sowie die Städte Herford und Bielefeld. Die Fakultät für Gesundheitswissenschaften an der Universität Bielefeld begleitet es wissenschaftlich. Die „Integrierte Tagespflege“ wird als Teilprojekt in drei Häusern, darunter das Johannes-Haus, erprobt.

Was ist das Ziel?

Bekemeier: Das Gesamtziel ist es, eine übergreifende Versorgungskette für alte und pflegebedürftige Menschen in ihrem vertrauten Wohnumfeld, im Quartier zu bilden. Dabei sollen neue und bestehende professionelle Dienstleistungen und vorhandene Strukturen ineinandergreifen wie beispielsweise Tagesbetreuungsangebote für Menschen mit Demenz oder eine Medikamentenversorgung für weniger mobile Menschen oder Vortragsreihen. Auch bei der neuen Form der Tagespflege werden bestehende Strukturen genutzt.

Was ist neu an der „Integrierten Tagespflege“?

Bekemeier: Das kann ich am Johannes-Haus aufzeigen. Wir nehmen bis zu sechs Tagespflegegäste an bis zu fünf Tagen in der Woche auf. Sie werden in unsere stationären Wohngruppen und deren Tagesablauf integriert. Anders als bei Anbietern solitärer Tagespflege mit speziellen Öffnungszeiten können Zeiten und Wochentage flexibel abgesprochen werden, da wir mit der stationären Altenpflege eine Rund-um-Versorgung bereitstellen. Unsere Gäste profitieren von unserem gesamten Paket inklusive medizinischer Behandlung und Pflege. Sie sind in Gemeinschaft, haben Spaß, nehmen teil an Aktivitäten und Angeboten wie gemeinsames Singen, Gedächtnistraining, Gymnastik oder an Gottesdiensten. Auch auf individuelle Wünsche und Bedürfnisse gehen wir ein, zum Beispiel mit Spaziergängen für Menschen mit Demenz und hohem Bewegungsdrang.

Welche Bedeutung hat der Quartiersbezug?

Bekemeier: Eine beispielhafte Entwicklung: Ältere Menschen, die in unserer Nachbarschaft, im Quartier noch eigenständig zuhause leben, besuchen regelmäßig die Reha-Sportgruppe oder das Tanzcafé im Johannes-Haus. Mit zunehmendem Hilfebedarf nehmen sie einen ambulanten Dienst in Anspruch und kommen hin und wieder zur Tages- oder Kurzzeitpflege ins Haus. Kann jemand nicht mehr über längere Zeit allein zu Hause bleiben, wird in einer gemeinsamen Beratung mit Angehörigen, dem betreuenden ambulanten Pflegedienst und Fachkräften unserer Pflegeeinrichtung individuell festgelegt, wie oft und in welcher Form jemand in der „Integrierten Tagespflege“ betreut wird.

Mancher Tagespflege-Gast kennt also „sein“ Haus schon?

Bekemeier: Das ist der große Vorteil: Die Gäste werden optimaler Weise in demselben Bereich betreut wie während ihrer Kurzzeitpflege. Sie halten sich in einer vertrauten Wohngruppe im stationären Bereich auf, die dort leben und arbeitenden Menschen sind bereits bekannt. Die Umgewöhnung fällt auch leichter, wenn später eine vollstationäre Aufnahme notwendig sein sollte.

Gibt es Voraussetzungen?
 
Bekemeier: Bei Pflegestufe 2 übernimmt die Kasse die Kosten, ansonsten erfolgt die Zahlung privat. Jeder Gast kann einen Probebesuch machen. Danach erfolgt die Beratung, auch, was die Finanzierung betrifft, dann der Vertrag.

Wie lange läuft das Modellprojekt?

Bekemeier: Es ist im April 2016 mit der Konzeptentwicklung gestartet und endet im März 2019. Hoffentlich werden die verschiedenen Projektbausteine danach fester Bestandteil der Pflegepraxis.

[Das Interview führte Martina Bauer.]

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