In Bielefeld nehmen dieses Jahr drei Altenheime am Humorprojekt teil

Aus Skepsis wird positive Überraschung

Die Clowninnen Klara (links) und Karlotta alias Susanne Bentrup und Kirsten Moritz scherzen mit Kurt Heidemann, Bewohner des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses. Fotos: Christian Weische

Claudia Stiller

Julia Tietjen

Bielefeld (JW). Seit Anfang 2014 führt das Ev. Johanneswerk das deutschlandweit einmalige Projekt „Beziehungspflege mit Humor“ mit Unterstützung von Dr. Eckart von Hirschhausen durch. Auch in diesem Jahr nehmen drei Bielefelder Altenheime daran teil und wirken mit Clownsbesuchen und Humorschulungen positiv auf Bewohner und Mitarbeitende ein: das Dorothee-Sölle-Haus, das Dietrich-Bonhoeffer-Haus und das Karl-Pawlowski-Haus. Wie kommt die Idee in den Häusern an, wie sind die Erfahrungen? Im Interview berichten Hausleiterin Claudia Stiller und Pflegefachkraft Julia Tietjen aus dem Karl-Pawlowski-Haus von ihren Erlebnissen.

Als Sie zum ersten Mal von dem Humorprojekt gehört haben, was haben Sie da gedacht?
Claudia Stiller: Ich habe zum ersten Mal auf der Jahrestagung des Johanneswerks Ende 2013 davon gehört, als Eckart von Hirschhausen das Projekt vorgestellt hat. Ich kannte die Clowns bereits und fand die Idee toll. Bei meinen Mitarbeitenden waren einige ziemlich skeptisch.
Julia Tietjen: Zuerst weiß man natürlich nicht so viel damit anzufangen. Man fragt sich: Laufen die Clowns dann hier durchs Haus und wollen einfach alle zum Lachen bringen? Bei mir war dann das Eis gebrochen, als sie zum ersten Mal hier waren.

Wie war der erste Clownsbesuch?

Tietjen: Da hat man erstmal gemerkt, dass die Clowns nicht einfach nur Stimmung machen wollen, sondern sich Zeit für jede einzelne Person nehmen, zu ihnen aufs Zimmer gehen. Das war schon eine ganz besondere Atmosphäre. Die Clowns haben sehr schnell gemerkt, wem was gefällt – ein Lied, ein Gespräch, eine Geste. Es ist sofort gut angekommen, dass sie auf jeden individuell eingegangen sind. Die alten Menschen fanden es schön, für einen Moment richtig im Mittelpunkt zu stehen.

Was verändert sich, wenn die Clowns im Haus sind?
Tietjen: In dem Wohnbereich, in dem ich arbeite, leben Frauen mit psychischen Erkrankungen und es ist oft laut und unruhig. Wenn die Clowns da sind, wird es ruhiger, die Bewohnerinnen sind entspannter und ausgeglichener.  
Stiller: Ich kann aus den anderen Wohnbereichen ähnlich Positives rückmelden. Menschen, die sehr verschlossen sind und wenig reden, öffnen sich, wenn die Clowns da sind.

Können Sie sich an ein besonders schönes Ereignis erinnern?
Stiller: Ein dementer Bewohner, der früher viel nach Afrika gereist ist, wurde durch die Musik der Clowns wieder daran erinnert. Sogar ein paar Tage später wusste er noch von dem Erlebnis.

Welche Rolle spielt Musik?
Tietjen: Ich glaube, Musik ist einfach eine Ebene, auf der man Barrieren durchbrechen und die Menschen abholen kann. Die Bewohnerinnen bei uns singen alle gerne und kennen die Texte. Musik ist ein gutes Medium, um in Kontakt zu kommen.

Möchten Sie die Clownsbesuche nach Ende des Projekts gern fortsetzen?
Stiller: Auf jeden Fall. Sie könnten gerne öfter kommen, denn die Zeit vergeht sehr schnell und die Clowns können nicht immer jeden besuchen. Wenn wir es finanziell hinkriegen, würde ich das sehr gerne weitermachen.

Zum Projekt gehören ja auch die Humorschulungen für die Mitarbeitenden. Konnten Sie sich vorher irgendetwas darunter vorstellen?
Tietjen: Erstmal nicht. Aber ich dachte, ich geh einfach hin und lass es wirken. Im Nachhinein war ich sehr positiv überrascht.

Wie haben Sie die Schulung erlebt?
Tietjen: Als sehr aktiv, wir haben uns viel bewegt. Es war schön, die Kollegen auch mal auf einer anderen Ebene zu treffen. Wir haben viele tolle Übungen gemacht, die die Wahrnehmung verändern und nochmal vieles wachrufen: Wie fühle ich mich, wenn mich jemand von oben anschaut? Wie nehme ich gut wahr, was im Raum passiert? Das war schön für einen selbst.

Was ist Ihnen am allermeisten in Erinnerung geblieben?
Tietjen: Toll fand ich die Aussage „Die Seele spiegelt sich durch die Augen wider.“ Das hab ich für mich behalten, weil ich das in meinem Beruf sehr wichtig finde.

Wie waren die Rückmeldungen der anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern?
Stiller: Am Anfang war es gar nicht so leicht zu vermitteln, das sich in der Schulung niemand eine rote Nase aufsetzen und zum Kasper werden muss. Aber im Nachhinein waren die Rückmeldungen sehr positiv. Viele waren richtig angetan.  

Haben Sie den Eindruck, dass die Schulung etwas im Arbeitsalltag verändert hat?
Tietjen: Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, dass jeder so für sich selbst etwas mitgenommen hat. In manchen Situationen konnte ich das schon nutzen, um sie besser zu lösen.  
Stiller: Ich bin ganz gespannt auf die Evaluationsergebnisse, ob da auch etwas messbar ist.

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