Konrad Göke, 88 Jahre, Philipp-Melanchthon-Zentrum in Bad Driburg

Der Possenreißer

Konrad Göke ist 88 Jahre alt und lebt im Philipp-Melanchthon-Haus in Bad Driburg. Foto: Mike-Dennis Müller

Konrad Göke ist 88 Jahre alt und lebt im Philipp-Melanchthon-Haus in Bad Driburg. Foto: Mike-Dennis Müller

Eine hat er noch. Und dann noch eine – und die eine letzte Anekdote, die muss er auch noch erzählen. Der Schalk sitzt dem geborenen Alleinunterhalter Konrad Göke so tief im Nacken, dass er gar nicht aufhören kann, Geschichten abzufeuern. Ein Schwank aus dem Leben im Philipp-Melanchthon-Zentrum, kleine Possen aus seiner Jugend, Dönekes aus der Zeit als Glasmacher.
 

"Die Haare brennen ruckzuck weg"

 „Beruflich habe ich einiges ausprobiert. Ich war zum Beispiel sechs Jahre lang Glasmacher, weil mein Vater es war. Ein fabelhaftes Handwerk, auch wenn ich kaum das Zeug dazu hatte. Das Beste daran war natürlich die Hitze. Bei angenehmen 900 Grad Celsius muss sich niemand mehr Gedanken über Haare auf den Armen machen – die brennen ruckzuck weg und plötzlich hast du ganz glatte Haut. Und wenn ich mal müde zur Arbeit kam, musste ich nur an die falsche Stelle fassen – und schon war ich hellwach. Sehr praktisch. Ich habe auch 17 Jahre lang als Dreher gearbeitet – bis ich feststellte, dass Staub der Lunge doch nicht so gut tat wie angenommen. Also bin ich zurück zum Glas und habe bei Walther-Glas in Bad Driburg begonnen – nicht in der Fertigung, sondern beim Magazin für Glaszubehör. 
 

Ein Leben lang in Bad Driburg

22 Jahre blieb er in dem Unternehmen. Und auch sonst blieb er. Sein ganzes Leben hat Göke in Bad Driburg verbracht, baute dort mehrere Häuser, bekam mit seiner Frau drei Kinder, feierte Schützenfeste, fühlte sich wohl. Auch das Philipp-Melanchthon-Haus, in dem er jetzt lebt, ist nur einen Steinwurf von seinem alten Zuhause entfernt. Er habe nie aus Bad Driburg fortgewollt, sagt er. Warum auch – die Stadt habe sich doch stetig weiterentwickelt und zum Besseren verändert.
 

Es hat gestunken - aber alle dachten, so rieche es halt

Früher, als Göke noch ein Kind war, da war die Stadt noch keine Stadt, sondern ein Dorf. Statt der Straßen gab es Feldwege, überall krähte, blökte und grunzte es, und vor jedem Haus lag Göke zufolge ein großer Misthaufen. Das könne man sich heute kaum noch vorstellen, mutmaßt er, aber den Gestank damals habe niemand wahrgenommen. Er sei so alltäglich und allgegenwärtig gewesen, dass alle gedacht hätten, es rieche immer und überall so. 
 

"Wahrscheinlich wäre ich Maler geworden"

„Heute, im Alter, spiele ich am liebsten Schach, das haben auch meine Söhne von mir gelernt. Ich spiele viele Partien hier auf meinem Laptop. Noch habe ich leider kein W-LAN, deshalb ist der Gegner immer der Computer. Aber wenn es mal soweit ist, möchte ich auch online gegen meine Kinder und Enkel spielen. Und ich male viel, weil das entspannt. Ich beginne mit einem simplen Strich – und schaue dann, wohin es mich führt. Hätte ich als Jugendlicher die Wahl gehabt, wäre ich wahrscheinlich Maler oder Tischler geworden. Das ist irgendwie handfester als Glasmachen. Ich fertige noch heute Weihnachtsschmuck aus Holz und Metall – die Bewohner hier im Haus und meine Familie sind bereits damit eingedeckt.“
 

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