Geschäftsführer Burkhard Bensiek geht in den Ruhestand. Er hat den diakonischen Träger durch eine Konzernreform und wirtschaftlich herausfordernde Zeiten begleitet – und dabei stets das Ganze im Blick behalten
Abschied nach 33 Jahren im Johanneswerk
Symbolisch mit einem Bleistift übergibt Burkhard Bensiek seine Verantwortlichkeiten an Frank Lohmann.
Bielefeld (JW.) Mehr als drei Jahrzehnte hat Burkhard Bensiek das Ev. Johanneswerk maßgeblich mitgestaltet und geprägt. Seit 2008 gehörte der studierte Diplom-Kaufmann der Geschäftsführung an und verantwortete zuletzt die Bereiche Finanzen, IT und Immobilien. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand. Seine Nachfolge übernimmt Geschäftsführer Frank Lohmann.
Der heute 64-Jährige Bensiek kam 1992 zum diakonischen Träger – zu einer Zeit, in der die heute übliche betriebswirtschaftliche Steuerung in der Sozialwirtschaft noch in den Anfängen steckte. Er begleitete das Johanneswerk durch die Einführung der Pflegeversicherung, eine Konzernreform und verschiedene wirtschaftliche Herausforderungen. Dabei verstand er sich vor allem als Übersetzer und Lotse. „Ich wollte wirtschaftliche Zusammenhänge sichtbar machen und unterschiedliche Interessen zusammenführen, um die Entwicklung des Johanneswerks als Ganzes voranzutreiben“, beschreibt Bensiek rückblickend sein berufliches Selbstverständnis.
Seine Laufbahn im Johanneswerk begann er als Assistent des damaligen Vorsitzenden des Vorstandes. Diese Position erlaubte Burkhard Bensiek von Anfang an einen engen Kontakt zur Unternehmensspitze und entsprechende Einblicke in der Zeit der damaligen Umbrüche in der Sozialwirtschaft. „Ich habe das ganze Johanneswerk von innen kennengelernt – die wirklich interessanten Themen und auch die herausfordernden", beschreibt er die damalige Zeit. Diese Perspektive prägte auch sein späteres Verständnis von betriebswirtschaftlicher Steuerung und unternehmerischer Verantwortung.
Controlling: Die Zahlen müssen sprechen
1996 übernahm Bensiek die Leitung der Controlling-Abteilung und entwickelte sie entscheidend weiter. Damit schuf er wichtige Voraussetzungen dafür, dass die wachsende Unternehmensgruppe nicht nur in Qualitätsfragen, sondern auch in wirtschaftlichen Belangen zielgerichtet gesteuert werden konnte. Der Startschuss fiel in eben jenem Jahr, in dem die neu eingeführte Pflegeversicherung erstmals verbindliche Verhandlungen über die Vergütung stationärer Pflegeleistungen vorschrieb. „Die Pflegeversicherung hat diesen Schritt nahezu erzwungen – wir mussten plötzlich viel genauer wissen und darlegen, was Pflege, Sozialdienst, Hauswirtschaft und Verwaltung in den einzelnen Häusern tatsächlich kosten", erklärt Burkhard Bensiek den Hintergrund.
Seine Arbeit im Finanzbereich umfasste jedoch weit mehr als das Erfassen und Analysieren von Zahlen. „Man muss sie lesen und in die Praxis überführen können“, erläutert er seine Herangehensweise. Ziel war es, die im Controlling entwickelten Ansätze zielgerichtet auf alle Arbeitsbereiche des Johanneswerkes zu übertragen. Die so geschaffenen und kontinuierlich weiterentwickelten Strukturen bilden bis heute eine wichtige Grundlage für die Führung des gemeinnützigen Konzerns.
(Fotos: Sarah Jonek)
Projekte und Konzernstruktur
Zu den Aufgaben des scheidenden Geschäftsführers zählten immer wieder Projekte, die das Johanneswerk veränderten. Dazu gehörte die Integration anderer Betriebe in die Unternehmensgruppe ebenso wie die Weiterentwicklung bestehender Strukturen und Geschäftsbereiche. Ziel war es, die Arbeit zeitgemäß und professionell weiterzuentwickeln und die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die vielfältigen Aufgaben des diakonischen Trägers zu sichern.
Eine der wichtigsten und zukunftsweisendsten Aufgaben in Bensieks Laufbahn war indes die Neuordnung der gesellschaftsrechtlichen Struktur des Johanneswerkes. Aus zeitweise mehr als zehn eigenständigen Vereinen und Stiftungen entstand schrittweise eine übersichtliche und zeitgemäße Konzernstruktur: Die Stiftung Johannesstift bildet heute die Muttergesellschaft. Darunter bietet das eigentliche Johanneswerk gemeinsam mit weiteren zehn Tochtergesellschaften vielfältige Unterstützungsangebote in der Altenhilfe, in der Eingliederungshilfe und in unterschiedlichen Kliniken an.
Auf der Jahrestagung des Johanneswerks in der Ravensberger Spinnerei wurde Burkhard Bensiek jetzt offiziell in den Ruhestand verabschiedet.