Archiv 2016

Wohnverbund Bochum-Herne feiert zehn Jahre Ambulant Betreutes Wohnen

Wie eine zweite Familie

Klienten, Mitarbeitende und Führungskräfte feierten gemeinsam das zehnjährige Bestehen des Ambulant Betreuten Wohnens.

Susanne Baumgart, Leiterin des Johanneswerk Wohnverbunds Bochum-Herne, skizzierte die Entwicklung des Angebots.

Die Mitarbeitenden gratulierten mit einem Lied zum Zehnjährigen. Fotos: Ulla Emig

Bochum (JW). „Von Null auf Hundert in zehn Jahren.“ – Diese Worte aus dem Mund von Daniel Schuster, dem Leiter der Stabsabteilung Behindertenhilfe im Ev. Johanneswerk, brachten es auf den Punkt. Was 2006 in Bochum und Herne mit der Eröffnung zweier Standorte des Ambulant Betreuten Wohnens (ABW) und nur fünf Klienten begann, wurde in den letzten zehn Jahren zu einem Erfolgskonzept. Heute werden 100 Menschen mit geistigen oder psychischen Erkrankungen von 33 Fachkräften des Wohnverbunds Bochum-Herne ambulant begleitet.

Das durfte nun auch im Evangelischen Gemeindehaus in Bochum-Altenbochum entsprechend gefeiert werden: mit den zahlreichen Mitarbeitenden und natürlich den Klientinnen und Klienten. Letztere sparten dabei nicht mit Lob: „Ich fühl' mich pudelwohl mit der Betreuung“, so Janet Kammann, die noch in einer Ambulanten Wohngemeinschaft lebt und nun den Sprung in die erste eigene Wohnung machen will. Maik Schildger, der schon Erfahrung mit anderen Betreuungen gesammelt hat, meint: „Die Betreuer sind wie eine zweite Familie.“

Für Schuster hat das Johanneswerk im Bereich des Ambulant Betreuten Wohnens gemeinsam mit anderen Trägern Pionierarbeit geleistet. Was einst als Alternative zur stationären Einrichtung gedacht war, hat heute im gesellschaftlichen Leben eine feste Verankerung: Menschen mit Behinderungen wählen selbst, wo, wie und mit wem sie wohnen. „Das Wohnen in der eigenen Wohnung ist ein Ausdruck von Autonomie und Lebensqualität“, betonte er bei der Feierstunde, „und der Erkenntnis, dass das Leben ohne eine stationäre Rundum-Versorgung nicht immer in einer Katastrophe mündet.“

Alltagsbegleitung und Teilhabe
 
Susanne Baumgart, Leiterin des Wohnverbunds, erklärte die Entwicklung: „Das ABW ist ein Kind des Goerdthofs.“ In der stationären Einrichtung in Altenbochum nahm Ende der 1980er Jahren die Idee Gestalt an, Menschen mit Assistenzbedarf auch außerhalb des Stammhauses zu begleiten. Erste Außenwohngruppen wurden geschaffen, Mietwohnungen in einem ganz normalen Wohnumfeld, in denen sich Wohngemeinschaften bildeten. Die Bewohner gestalteten ihren Alltag so weit wie möglich selbst, Mitarbeiter waren nach Bedarf vor Ort.

Mit dem Ambulant Betreuten Wohnen im Jahre 2006 ging man einen Schritt weiter: „Unsere Klienten wohnen jetzt in von ihnen angemieteten Wohnungen, wir kommen zur Begleitung zu ihnen nach Hause“, erklärt Baumgart. Neben der Alltagsbegleitung gehört es auch zu den Aufgaben der Mitarbeitenden, den Klienten Teilhabe am sozialen Leben im Umfeld zu ermöglichen: mit Freizeitangeboten wie Begegnungscafés, Spielenachmittagen, Ausflügen, Kochgruppen und vielem mehr.

Wie erfolgreich das ambulante Angebot ist, wurde schlussendlich in einem Satz ganz besonders deutlich: Maik Schildger, der trotz aller Selbstständigkeit auf eine Alltagsbegleitung angewiesen ist und diese Angebote gerne wahrnimmt, rührte die ABW-Mitarbeitenden zu Tränen, als er sagte: „Hier sitzen echte Engel.“

Spendenprojekt: „Ein Schlüssel für mich. Selbstbestimmt leben.“
Mit seinem neuen Spendenprojekt setzt sich das Johanneswerk dafür ein, Menschen mit Behinderung intensiv auf ihrem Weg zu mehr Selbstbestimmung zu begleiten. Eine unterfahrbare Küche zum Beispiel oder ein spezielles Betreuungsangebot können dabei einen großen Unterschied machen. Helfen Sie uns mit Ihrer Spende.