Bielefeld (JW). Sie sind zwischen 35 und 50 Jahre alt. Viele von ihnen begleitet ein Gefühl der Unsicherheit, das sie sich aus ihrer eigenen Biografie heraus nicht erklären können. Kann es sein, dass sie heute tatsächlich noch den Einfluss einer Zeit spüren, die vor über 60 Jahren zu Ende ging? Die Autorin Sabine Bode hat sich intensiv mit dem Thema in ihrem Buch „Kriegsenkel“ beschäftigt. Jetzt liest sie daraus im Ev. Johanneswerk und lädt die Zuhörer zur Diskussion ein.
Der zweite Weltkrieg mit allen seinen grauenvollen Fakten ist auf unterschiedlichste Weise bearbeitet worden. Doch das war vor allem das Werk von Historikern. Es geschah akademisch, nicht emotional. In den Familien herrschte nach 1945 überwiegend Schweigen. Weder wurde über Traumata gesprochen noch über schuldhafte Verstrickungen in das NS-Regime.
Die Nachgeborenen hörten kaum mehr als düstere Andeutungen. Doch in den vergangenen Jahren ist vieles in Bewegung geraten, seit das öffentliche Interesse für die Kriegskinderjahrgänge erwachte. Dazu trug auch das bekannteste Buch von Sabine Bode bei: „Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen“ aus dem Jahr 2004.
Jetzt melden sich die Kinder der Kriegskinder zu Wort, unter anderem im neuen Buch der Autorin: „Kriegsenkel – die Erben der vergessenen Generation“. Dabei geht es um die faktische und emotionale Aufarbeitung der Kriegsfolgen für die Enkelgeneration, ein Prozess der Wahrheitssuche und Trauer. Dabei stellt sich auch die Frage, welche Auswirkungen dies auf lebenskritische Situationen wie beispielsweise in der Hospizarbeit hat.
Sabine Bode ist Jahrgang 1947 und begann ihre Karriere als Redakteurin beim Kölner Stadt-Anzeiger. Seit 1978 arbeitet sie freiberuflich als Journalistin und Autorin für den Hörfunk und schreibt Bücher.
Die Hospizarbeit im Ev. Johanneswerk lädt herzlich zum Vortrag „Kriegsenkel“ ein, die Teilnahme ist kostenlos:
am: Dienstag, 23. März 2010
um: 19 Uhr
in: der Johannesstiftskapelle, Schildescher Straße 99, 33611 Bielefeld
(
JW)