Bielefeld/Meinerzhagen (JW 30.9.09). „Noch nie habe ich so viel Zeit mit meinem Papa verbracht“, sagt Laura*. „Das war echt schön!“ Die Stunden mit ihrem Vater hat die Fünfjährige dem Seminar „Spielräume“ zu verdanken. Der Ev. Gemeindedienst im Ev. Johanneswerk in Bielefeld und die Männerarbeit der Ev. Kirche von Westfalen in Schwerte haben erstmals ein Wochenende für Väter aus dem offenen Strafvollzug und deren Kinder angeboten.
Das neue Angebot, das erste dieser Art in Deutschland, stand unter dem Motto „Miteinander leben und erleben“. In einer Bildungsstätte in Meinerzhagen konnten die Teilnehmenden mit Unterstützung von Sozialarbeitern gemeinsame Aktivitäten oder getrennte Väter- und Kinderzeiten erleben. 7 Väter und 14 Kinder, im Alter von vier bis siebzehn Jahren, unterschiedlicher Nationalitäten waren beim ersten Seminar dabei.
Die Verurteilung des Vaters stellt das Leben der Kinder auf den Kopf. Als schwächstes und abhängigstes Familienmitglied leiden sie besonders unter der Situation. Durch die Trennung werden sie mit Unsicherheiten, Zweifeln und Ängsten konfrontiert. Beim Spielräume-Wochenende hatten sie viel Gelegenheit, mit ihrem Vater bei spielerischen und kreativen Aktionen in Kontakt zu kommen und ihn einmal für sich zu haben. Zeiten, die im Vollzugsalltag stark reglementiert sind.
Zeit war auch für Väterrunden, in denen die Männer Raum hatten, um über ihre Vaterrolle unter den erschwerten Bedingungen der Haft zu sprechen. Durch die Offenheit während des Wochenendes und die große Bereitschaft sich auszutauschen, konnten sie neue Spielräume für das Miteinander entdecken und ihre Bedeutung als Vater klarer wahrnehmen. „Ich habe meine Tochter und meinen Sohn ganz anders kennen gelernt“, fasste ein Teilnehmer zusammen. „Ich habe viel Neues über sie und dadurch auch über mich erfahren.“
„Mit dem Projekt haben wir Neuland betreten“, sagt Susanne Haber, Leiterin Integrative Hilfen beim Ev. Gemeindedienst. „Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden. Bei gesicherter Finanzierung werden wir das Projekt 2010 weiter führen“.
*Name von der Redaktion geändert
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JW)