Bielefeld (JW 19.5.09) Große Teile der Öffentlichkeit und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben - mit wenigen Ausnahmen - auf die Aktionen von ver.di in den vergangenen Tagen mit Unverständnis und Distanz reagiert. Die Beteiligung war sehr gering, trotz des Aufrufs weit über die Landesgrenzen hinweg und unter Einbeziehung der Verdi-Aktion in kommunalen Kindertagesstätten.
Der Vorstand des Ev. Johanneswerkes nimmt die Vorgehensweise der Gewerkschaft ver.di mit großem Befremden zur Kenntnis. Wir bewerten das Vorgehen als bewusste Umgehung allgemeinen anerkannten Rechts. Gezielt wurden Nachteile für das Ev. Johanneswerk und damit auch für unsere engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für die Klientinnen und Klienten billigend in Kauf genommen, um tarifpolitische Fragen für die gesamte Diakonie auf einem falschen Weg klären zu wollen.
Als Diakonie teilen wir an vielen Stellen das sozialpolitische Engagement der Gewerkschaften in Deutschland. Dies haben wir zuletzt erfolgreich beim Aktionsbündnis für das Gesundheitswesen unter Beweis gestellt.
Als Vorstand stellen wir klar, dass sich das Johanneswerk nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in den übrigen Arbeitsfeldern der Diakonie für den
Stellenwert der sozialen Arbeit und die Anerkennung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einsetzt. Wir haben daher kein Interesse an möglichst geringen Löhnen, stehen aber in der den Bürgern inzwischen gut bekannten Herausforderung, gute diakonische Dienste zu gewährleisten für die Menschen, denen unsere Arbeit gilt. Dies tun wir mit Menschen, die diesen Dienst gerne erfüllen und die dafür ein gerechtes Entgelt erhalten sollen, so wie wir es in den sozialstaatlichen Bedingungen erwirtschaften können.
Das Ev. Johanneswerk ist gemeinnützig, und wir beschäftigen viele Menschen in unseren Einrichtungen und Diensten. Wir waren auch von der Entwicklung in der Arbeitsrechtlichen Kommission im Sommer des vergangenen Jahres überrascht, als die Annahme des Schlichtungsspruchs von der Dienstnehmerseite zurückgezogen wurde – immerhin steht zur Zeit ein
Angebot mit einer Erhöhung der Entgelte von 7,6 % in 2009 und 2010 im Raum. Dies kostendeckend zu finanzieren, ist für viele Arbeitsfelder - nicht nur in der Diakonie - eine große Herausforderung, soll dies nicht zu einer weitergehenden Arbeitsverdichtung und damit Belastung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen.
Wir gehören zur Diakonie und damit zur Evangelischen Kirche und wünschen uns eine Verhandlungssituation in der Arbeitsrechtlichen Kommission, in der die Mitarbeiterinteressen nachhaltig und stabil wahrgenommen werden. Dies kann und muss
ohne Streik und Aussperrung gelingen. Wir fordern die Gewerkschaft ver.di daher auf, sich mit den zuständigen Gremien von Kirche und Diakonie auf gemeinsame Arbeitsmöglichkeiten zu verständigen und nicht bei einzelnen Trägern politische Stolpersteine zu setzen, die eine überfällige
klare Entscheidung für eine Entgelterhöhung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verhindern.
Wir bedauern, dass die Gewerkschaft ver.di in der sehr einseitigen Weise zu Lasten Dritter einen Weg eingeschlagen hat, ohne eine solche Kontaktaufnahme gesucht zu haben. Wir fordern auf, die Gespräche an richtiger Stelle zu führen und künftig alles zu vermeiden, was sich als Bärendienst im
Anliegen für eine soziale, lebenswerte Gesellschaft erweisen kann. Wir gehen vor diesem Hintergrund davon aus, dass unsere klare Haltung gegenüber dem Vorgehen der Gewerkschaften nachvollzogen werden kann.
Wir bedanken uns bei allen, die uns in den vergangenen Tagen tatkräftig unterstützt haben: Bei den Landeskirchen von Westfalen und im Rheinland, der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe und dem Diakonischen Werk der Ev. Kirche von Deutschland für die klare Positionierung in den Briefen an den Vorstand der Gewerkschaft ver.di und bei unseren Führungskräften und Mitarbeitenden, die in großer Umsicht für die Menschen ihren Dienst tun. Wir sind uns weiterhin der Verantwortung für gute Arbeitsbedingungen und den Menschen nahe diakonische Dienste bewusst und stehen dafür auch in Zukunft ein.
Karsten Gebhardt, Burkhard Bensiek, Dr. Bodo de Vries, Thomas Sopp
(
JW)