SONG - Die Zukunft liegt im Quartier
Der demografische Wandel ist radikal. Er erfordert neue Antworten und die Bündelung aller Kräfte vor Ort bei den Menschen. Die Hilfe und Versorgung älterer, hilfsbedürftiger Menschen muss in Zukunft lokal, also im Quartier, geregelt und koordiniert werden. So die Kernbotschaft des „Netzwerks: Soziales neu gestalten“ (SONG) in seinem jetzt erschienenen
Positionspapier.
Hier können Sie sich die Themenhefte der Reihe
"Zukunft Quartier - Lebensräume zum Älterwerden" herunterladen:
Themenheft 1: Hilfe-Mix – Ältere Menschen in Balance zwischen Selbsthilfe und (professioneller) Unterstützung
Themenheft 2: Gemeinsam mehr erreichen – Lokale Vernetzung und Kooperation
Themenheft 3: Den neuen Herausforderungen begegnen – Mitarbeiter weiter qualifizieren
Themenheft 4: Neue Wohnformen im Alter – Finanzierungsmöglichkeiten innovativ gestalten
Themenheft 5: Innovationen ermöglichen – Wirkungsorientiert steuern
Die Gruppe der „jungen Alten“ wird im Jahr 2030 um rund fünf Millionen Menschen steigen. Die Zahl der über 80-Jährigen wird von heute drei Millionen auf fast acht Millionen im Jahr 2050 wachsen. Mit steigendem Lebensalter steigt auch das Risiko, pflegebedürftig zu werden. Gleichzeitig nimmt die Zahl der jüngeren Menschen kontinuierlich ab. Familienstrukturen, die heute noch die Pflege von Angehörigen sicherstellen, werden sich weiter verändern.
Vernetzter Sozialraum – das Quartier
Ein funktionierendes Quartier böte die ganze Palette der ambulanten Pflege an mit teilstationären Angeboten, betreuten Pflegewohngruppen wie Wohngemeinschaften, aber auch stationären Einrichtungen, die sich an den Wohnorten der Menschen orientieren und zusammenarbeiten sollten.
Vor Ort könnten Produktionsküchen für Kindertagesstätten, Schulen, Alteneinrichtungen, Bürger- und Mehrgenerationenhäuser sowie Sport- und Familientreffs stärker zusammenarbeiten und dadurch wirtschaftlich effizienter arbeiten ebenso wie das soziale Miteinander stärken. Die Wohnungen müssen baulich angepasst, Neubauten barrierefrei errichtet werden und in den Quartieren unterschiedliche Größen haben.
Neue Wohnangebote entstehen, wenn Wohlfahrtspflege, Wohnungsunternehmen, Kommunen und lokale Initiativen so früh wie möglich eng zusammenarbeiten. Angebote für ältere Menschen müssen besser vernetzt werden. Dazu gehören soziale Integration, Gesundheitsvorsorge und Pflege bzw. Betreuung sowie die absehbar notwendigen infrastrukturellen Investitionen in den anderen sozialen Aufgabenfeldern. Die Netzwerkpartner sehen in dieser Ausrichtung ein herausragendes Qualitätsmerkmal der Angebote der Freien Wohlfahrtspflege.
Vielfalt wichtig
Hilfebedürftige Menschen können nur dann selbstbestimmt leben, wenn sie unter den Hilfsangeboten frei wählen und ihre individuellen Hilfearrangements mitgestalten können.
Für die Anbieter heißt das konkret: Konkurrenzen abbauen und Kooperationen leben, den Hilfemix professionell moderieren und managen, neue Schulungskonzepte für die Mitarbeiter entwickeln, akzeptieren, dass die Quartiersbewohner die Dienstleistung bestimmen, an deren Erbringung mitwirken und auch die Freiwilligenarbeit anerkennen.
Kommunen gefragt
Nur wenn das Zusammenspiel der Kommunen mit sozialen Dienstleistungsunternehmen, öffentlichen Leistungsträgern und den Bürgern klappt, hat das Altenhilfe-, Gesundheits- und Pflegesystem des Quartiers eine Zukunft.
Kommunen haben folgende Möglichkeiten, den Prozess zu fördern:
 | Sie richten eine integrierte Sozialraumanalyse ein, die Indikatoren für gemeinwesenorientiertes Handeln berücksichtigt,
|
 | sie ermöglichen ämter- und ressortübergreifende Kooperationen,
|
 | sie gewähren den Beteiligten im Quartier Entscheidungsspielraum durch entsprechende Befugnisse,
|
 | sie stellen Gemeinschaftsräume und Gemeinwesenarbeit in Quartiersprojekten bereit und finanzieren sie,
|
 | sie unterstützen Initiativen bei der Standortsuche,
|
 | sie fördern Kooperationen der Akteure vor Ort durch Investitionen,
|
 | sie richten Runde Tische zu „Wohnen und Betreuung“ ein und
|
 | sie organisieren einen überregionalen Austausch zwischen projekterfahrenen Kommunen. |
Gemeinwesenarbeit finanzieren
Auch Bund und die Länder müssen umdenken. Zum Beispiel könnte eine Gemeinwesenarbeiterstelle eingerichtet werden. Das würde neue soziale Netzwerke unterstützen und das Quartiersmanagement fördern.
Das Leistungsrecht sollte flexibler und aktivierender gestaltet sein: So könnten die Bereiche durchlässiger gestaltet und einzelne Leistungen in Module aufgeteilt werden. Wohnen und Hilfe sollten getrennt behandelt, Zusammenarbeit und Gemeinwesenorientierung honoriert werden durch das Pflegesatzsystem.
Der ordnungsrechtliche Rahmen sollte flexibler werden. Im Heimrecht könnten beispielweise Abgrenzungskriterien für neue Wohnformen festgelegt werden. Außerdem sollten die Kommunen fachlich unterstützt werden. Auch Steuerungsmöglichkeiten über baurechtliche Genehmigung und Investitionsförderung könnten genutzt werden.
Hier finden Sie das
Positionspapier zum Download.
Partner im Netzwerk SONG
Bank für Sozialwirtschaft AG, Köln
Bertelsmann Stiftung, Gütersloh
Bremer Heimstiftung, Bremen
CBT – Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft mbH, Köln
Evangelisches Johanneswerk e.V., Bielefeld
Stiftung Liebenau, Meckenbeuren-Liebenau
Weitere Informationen und
Publikationen finden Sie unter
www.zukunft-quartier.de.